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Blick von Samoa in Richtung
Sansibar |
Die Werbung des Sylter Tourismusbüros verspricht: „Sylt ist zu jeder Jahreszeit schön.“ Der Aussage wollte ich auf den Grund gehen. Kurzerhand wurde der Oldie aus dem Winterschlaf in der Garage geholt und das winterliche Einsatzgebiet Sylt angesteuert.
Kurzentschlossen ohne großen Plan und vor allem ohne Termine und den Trubel der Sommermonate wollte ich die Insel erkunden. Schon am ersten Morgen werde ich beim Frühstück mit Blick auf die schöne Bucht von Munkmarsch in Richtung Morsum mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt. Ein immer wiederkehrendes Farbenspiel, das auch Filmemacher und Fotografen begeistern würde. Aber die sind in Florida oder Südafrika, um Fotoshootings zu machen. Dabei spricht das Licht auf Sylt eine ganz eigene Sprache, die ich verstehe.
Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Oldtimer los zum „Seepferdchen“ (Samoa), um Kalle vom Restaurant und Achim von der Strandsauna zu begrüßen und einen ausgiebigen Strandspaziergang zu machen. In Richtung Keitum am neuen Kreisverkehr fährt dann plötzlich eine hellblaue Borgward Isabella TS im Topzustand an mir vorbei. Noch ein Oldtimerfan, der die winterliche Insel mit einem Klassiker erkundet.
Und nach der Rückkehr zum „Seepferdchen“ begegnet mir in Richtung Süden bereits die nächste Automarke. Die „Sansibar“ ist mit Mercedes-Fahnen beflaggt. Warum kann ich nicht erkennen und wundere mich, dass im Sommer noch die Porsche Cayenne Turbos vor der Tür standen, deren Kennzeichen Kennzeichen S- GO- xxx ein sicheres Zeichen für die Zugehörigkeit zur Zuffenhausener Presseabteilung sind. Im Sommer Porsche, im Winter Mercedes scheint das Motto zu lauten.
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Wanderdüne in List |
Egal, welche Marke vor der Tür steht, die „Sansibar“ bietet gutes Essen und flotten Service. Jetzt ist es hier wunderbar ruhig, während das Lokal im Sommer zur Kirmesveranstaltung neigt. Aber Herbert Seckler hat seinen Laden in jeder Jahreszeit optimal im Griff. Wie gemütlich es hier im Winter sein kann, belegt eine Geschichte aus der Zeit, als die „Sansibar“ noch nicht den heutigen Stellenwert hatte. Ich kam mit sechs Freunden zum Essen. Wirt Herbert empfahl uns einen Silberlachs, den die Fischer ihm verkauft hatten. Voller Spannung erwarteten wir unser Essen und staunten über die Menge als Herbert den wunderbaren Fisch servierte. Wir machten uns „an die Arbeit“, hatten Spaß, lachten und bestellten Wein. Wir waren begeistert über die Qualität des Fisches und Herberts Empfehlung. Darüber wurde der Nachbartisch auf unser Gericht und uns aufmerksam. Wir kannten die Leute zwar nicht, aber kurzerhand luden wir sie zu unserem herrlichen Fisch ein: „Wenn ihr eine Flasche Wein bestellt, könnt Ihr mitessen!“ Wir hatten einen wunderbaren Abend, der die einfache, wunderbar unkomplizierte Art in der „Sansibar“ zeigt.
Nach dem leckeren Essen fahre ich weiter in Richtung Hörnum, um den neuen Golfplatz zu inspizieren. Der Platz ist auf und läd zu einer Runde Golf ein. Das Hotel unten am Meer nimmt Formen an und soll im Mai 2009 eröffnet werden.
Auf der abendlichen Runde über die Meile in Kampen genieße ich die winterliche Stimmung mit all den Lichtern, mit denen die Gärten geschmückt sind. Schon nach einem Tag hatte mich diese Wintermärchen an der Nordsee in seinem Bann gezogen.
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Vom Roten Kliff in Richtung List |
Mein Weg führt mich nach List. List ist „Gosch“. Die nördlichste Fischbude, die ich in seinen Anfangszeiten noch als kleine Bude kannte, nimmt inzwischen den ganzen Hafen ein. Mein Ziel ist die Sylter Auster. Direkt wenn man nach List kommt, liegt auf der linken Seite die Dittmeyers Austern Compagnie. Alles was man über die Sylter Royal wissen muss, erfährt man hier. Gehen Sie ruhig rein und fragen, man wird Ihnen gerne weiterhelfen.
Über 2 Millionen Austern betreuen Leo Wugazer und sein Team. Es ist die einzige Austernzucht in Deutschland. In den Wintermonaten werden die Austern hinten in den Hallen mit einer Meerwasserpipeline vor Kälte geschütz, bevor sie im Frühjahr wieder ins Watt kommen. Erst nach drei Jahren sind sie reif für die Ernte und werden dann in alle Himmelsrichtungen verschickt. Am besten sind sie natürlich gleich frisch auf dem Teller vorne im Restaurant. Dort gibt es sie klassisch, überbacken, mit etwas Zitrone oder - wie ich es mag - amerikanisch mit etwas Tabasco, Pfeffer, Zitrone und einem Glas Champagner oder Chablis. Auch ein schöner trockener Riesling aus Deutschland passt perfekt.
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Wattenmeer mit Blick auf Amrum und Wyk auf Föhr |
Auf dem Rückweg kehre ich noch auf einen Gin Tonic ins „Gogärtchen“ ein. Schon die weihnachtliche Außenbeleuchtung zeigt die Liebe zum Detail. Und als ich an der Bar stehe, überracht mich wieder einmal diese besondere, stilechte Atomphäre. Bis ins Detail wunderschön dekoriert und farblich abgestimmt. Seit über vierzig Jahren eine Wohlfühlatmosphäre, die hoffentlich noch lange erhalten bleibt. Das Kompliment habe ich dann gleich an meinen alten Freund Rolf Seiche weitergereicht, um mich dann in der Stille der Nacht von Munkmarsch in Vorfreude auf den nächsten Tag meinen Gedanken zu widmen.
Der nächste Morgen bringt wieder beeindruckende Lichtspiele. Die klare Luft und das Rauschen des Meeres lädt zu einem Spaziergang ans rote Kliff ein. Der Nordwestwind gibt die Richtung vor, denn das Laufen gegen den frischen Wind ist teilweise unangenehm. Also erst einmal die einfache Lösung: mit dem Wind in Richtung Wonnemeier nach Wenningstedt.
Wonnemeier ist eine Strandbude, die sich über die Jahre gemausert hat. Das Essen ist gut und man kann direkt am Meer wunderschöne Sonnenuntergänge genießen.
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| Leuchtturm in der Ferne |
Man grüßt die entgegenkommenden Menschen, die an diesem Tag doch recht zahlreich sind und genießt gleichzeitig die Stille des Meeres. Der Wind und das Geschrei der Möven sind Balsam für den Kopf und die Seele. Zurück an der Sturmhaube will ich noch den Ellenbogen erkunden und fahre nach List. Was kommt mir da entgegen? Ein gelbes Opel Rekord Coupe, vermulich Baujahr 1964/65. Dieses spezielle Opelgelb der 1960er Jahre ist einfach unverkennbar. Alle guten Dinge sind drei und der Beweis, dass Sylt im Winter mit dem Oldtimer eine Reise wert ist.
Für den kleinen Zwischenstopp wegen umherlaufender Schafe entschädigte die Landschaft und der nördlichste Leuchtturm Deutschlands. Auf der Rückfahrt noch ein Blick auf die wunderschöne Wanderdüne und es geht zurück über Kampen nach Munkmarsch. Direkt in Kampen vor dem Haus „Meeresruh“, wo normalerweise norddeutsche Impressionisten verkauft werden, entdecke ich ein schönes VW Cabrio. Im Fenster eine Schild: „Zu verkaufen“. Vielleicht ist das ja der Weg von morgen, wenn Galeristen auch alte Kunstwerkwerke der Autogeschichte verkaufen. Die großen Auktionshäuser machen das ja bereits.
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Gefrorenes Rantumer Becken |
Im gemütlichen Zimmer höre ich am Abend die Wettervorhersage, die Frosttemperaturen ankündigt. Ich freue mich am nächsten Morgen auf neue winterliche Bilder, die einfach nur schön sind. Meine Vorfreude wird belohnt. Der Himmel über der Keitumer Kirsche in Richtung Morsum ist in Rot, Orange, Grau und Blau getaucht, dazu kommen die Farben des Wattenmeeres. Kein Künster hätte dieses Naturereignis besser malen können. Als wenn die Insel in Puderzucker gebadet hätte, glänzt sie voller Rauhreif. Ich muss innehalten, um es zu genießen. Ich entscheide mich für einen Spaziergang in Richtung Südspitze. In Hörnum angekommen, parke ich direkt am Hafen. Auf der linken Seite habe ich beim Spaziergang Wyk und Amrum im Blick. Die Sonne ist so hell, dass man die Sonnenbrille rausholen muss.
Der Strand zeigt sich in seiner ganzen Breite und Schönheit.
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Bunkerreste in Hörnum |
An der Südspitze angekommen geht mein Blick zurück Richtung Leuchtturm und Hafen. Hier ist also der südlichste Punkt von Sylt. Nur die Älteren wissen, dass hier vorne einst der Leuchturm stand, den sich das Meer allerdings schon vor vielen Jahren geholt hat. Ich gehe auf der Westseite zurück und sehe außer List nur Strand. So liebe ich Sylt. Die offene Meerseite ist rauher, lauter und stürmischer. Hier kann man sich ein Bild von der unbändigen Kraft des Meeres machen. Plötzlich spricht mich ein junger Mann an, ob ich der erwartete Mann von der Wattbehörde sein. Nein. Er hatte einen Heuler am Strand gefunden und wartete nun auf eine Entscheidung von der Behörde, was mit dem jungen Seehund geschehen solle. Ich wünschte ihm viel Glück und drückte die Daumen für ein langes Leben im Meer.
Ich ging an den letzten Relikten, den Bunkern des 2. Weltkrieges vorbei. Auch sie machen deutlich, was sich das Meer in den vergangenen sechszig Jahren an Strand zurückerobert hat.
An der Strandsauna entlang geht es zurück durch die Dünen, wo noch einige schöne alte Häuser stehen, in den Ort.
Die Entscheidung, mit dem Oldtimer im Winter nach Sylt zu fahren, war goldrichtig. Die Insel zeigte sich von der besten Seite, das Hotel Fähraus war ein Refugium der Ruhe und Gelassenheit. Die Stimmung war winterlich schön gepaart mit Sylter Lockerheit.
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Südspitze der Insel |
Als ich zum Abschied meinen alten Freund Enno traf und sein Auto sah – ein Mercedes 280SE Cabrio- wusste ich, dass das Tourismusbüro sein Versprechen gehalten hatte und vielleicht noch den Zusatz. „mit dem Oldtimer“ dazuschreiben sollte.
Michael Ruess
Weitere Informationen:
www.sylt.de
www.faehrhaus-sylt.de
www.sylter-royal.de
www.gogaertchen-sylt.de
www.Budersand.de |