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Wenig fahren, viel sehen - Der Reisetipp zur Mille Miglia für Kurzentschlossene


"Das Land, wo die Zitronen blühen" - so hieß Italien zu Zeiten Johann Wolfgang von Goethe. Heutzutage locken aber nicht nur botanische Genüsse, sondern auch automobile. Denn jedes Jahr im Mai ist ein großer Teil der Stiefelrepublik Schauplatz des größten Oldtimerspektakels der Welt. Die Mille Miglia ruft und alle folgen dem roten Pfeil, dem Wahrzeichen der Fahrt, das aus der Zeit stammt, als die Mille Miglia eines der härtesten Rennen für Sportwagen, GTs und Tourenwagen war.

Die moderne Mille Miglia ist zwar kein Straßenrennen mit halsbrecherischen Überholmanövern mehr, bei dem zwischen 1927 und 1957 die Rennteams um die schnellste Zeit von Brescia nach Rom und zurück kämpften, aber dennoch hat sie nichts von ihrer Faszination verloren. Die Route führt auch heute noch über öffentliche Straßen und am Rand jubeln tausende von Menschen den automobilen Raritäten zu.

Wenn Sie nicht das Glück haben, bei der Mille Miglia in diesem Jahr starten zu dürfen, empfehlen wir Ihnen einen Besuch des legendären Oldtimerrennens als Zuschauer. Die einzigartige Atmosphäre der 1000-Meilen-Fahrt muss man einfach erlebt haben. Deshalb haben wir für Kurzentschlossene für eine Vier-Tages-Tour Brescia - Florenz - Futa/ Raticosa - Brescia einige Tipps unter dem Motto "Wenig fahren, viel sehen" zusammengestellt.

Brescia

Unsere Reise beginnt in Brescia, der Hauptstadt der Mille Miglia. Nach der großen Nachbarin Mailand ist sie die zweitgrößte Stadt der Lombardei. Hier müssen alle Fahrzeuge zunächst auf die Piazza della Vittoria im Stadtzentrum, wo jeweils am Donnerstag die technische Abnahme der Fahrzeuge beginnt. Dafür fahren und schieben die Teilnehmer ihre Wagen in einer großen Schlange durch die Innenstadt und warten auf die ersehnten Startunterlagen, die es nach einem prüfenden Blick der Komissare auf den Wagen gibt. Besondere Kennzeichen dieses Spekatkels: große Parkplatznot und dichtes Gedränge. Großer Vorteil: man kommt dicht an die wunderschönen und seltenen Autos heran, und erlebt die stolzen Besitzer, die einen der begehrten Startplätze ergattert haben. Doch Achtung: der Innenbereich des Abnahmeplatzes ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Nur Fahrer, Teammitglieder und Medienvertreter erhalten Zutritt. Denn auch so ist der Raum schon eng genug. Sichern Sie sich also möglichst früh einen Platz am Rande des Inneraums und bestaunen sie die automobilen Klassiker bevor es gegen Mittag noch voller auf der Piazza della Vittoria wird. Wem es nicht um das Sehen und Gesehenwerden geht, sucht sich dann lieber ein ruhiges Plätzchen in einem Cafe in der Stadt oder bummelt durch die Gassen. Viele Winkel Brescias bieten eine wesentlich angenehmere Atmosphäre als der Bereich um die Piazza della Vittoria. Jetzt heißt es erst einmal durchatmen und entspannen. Und an eine kleine Stärkung denken. Der Abend kann noch lang werden. Nutzen Sie nach einem kleinen Imbiss die Gelegenheit zu einem Bummel durch die Gassen der Altstadt. In zahlreichen Schaufenstern sind tolle Dekorationen anlässlich der Mille Miglia zu sehen. Besorgen Sie sich bei Ihrem Stadtrundgang auf jeden Fall eine der großen Zeitungen der Stadt, die am Starttag in einem Sonderteil die Liste mit allen Startern abdrucken. So sind Sie für den Start am Abend bestens gerüstet. Denn bei den über 365 startenden Autos geht schnell der Überblick verloren. War das jetzt ein Maserati oder doch ein Ferrari, oder vielleicht ein OSCA oder Siata?

Punkt 19 Uhr. Das erste Auto - traditionsgemäß ein O.M. - rollt von der Startrampe auf der Viale Venezia. Für einen guten Platz in der Nähe des Startes müssen Sie bereits ab dem Nachmittag kämpfen. Positionieren Sie sich einfach an der Strecke etwas außerhalb des Startes, um gute Sicht auf die Starter zu haben. Und denken Sie bitte an einen Regenschirm, denn beim Start des Rennens regnet es fast jedes Jahr - Mille Miglia Tradition. Mit dem Start beginnt eine perfekt organisierte Maschinerie zu arbeiten. Denn ein Feld von über 365 Oldtimern muß über 1600 Kilometer dirigiert werden. Zweieinhalb Tage lang haben die Renn-Klassiker Vorfahrt. Rund zwei Stunden dauert es, bis das letzte Auto Brescia verlassen hat. Entlang der Strecke ist auch schon in den ersten Stunden der Mille die Stimmung groß. Bis tief in die Nacht sind die Zuschauer auf den Beinen. Das Ziel der ersten Etappe liegt in der Altstadt von Ferrara, wo die ersten Fahrzeuge gegen 23:30 Uhr erwartet werden. Da leider alle Hotelzimmer in der näheren Umgebung von Ferrara bereits Monate vor dem Ereignis ausgebucht sind, sollten Sie die Nacht etwas abseits von Brescia verbingen und sich am nächsten Morgen kurz von der Mille Miglia in Richtung Florenz verabschieden.

Florenz

Während der Mille-Tross sich am Freitag von Ferrara in Richtung Rom bewegt, empfehlen wir einen ausgedehnten Stadtbummel in Florenz. Die wunderschöne Stadt am Arno bietet eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten. Ein Tag Pause von der Mille Miglia tut gut. Und in einer Stadt wie Florenz vergeht die Zeit wie im Flug. Und der nächste Tag ist schneller da, als Mancher vielleicht erwartet hat. Ein dichtes Spalier von Menschen am Samstag macht klar: Die Mille Miglia kommt. Am frühen Nachmittag werden die ersten Autos erwartet. Während die Gesichter der Wagenbesatzungen von den Strapazen gezeichnet sind, stehen Sie gut ausgeruht am Streckenrand und haben vor der wunderschönen Kulisse die beste Verfassung, um die vielen Eindrücke aufzunehmen. Allerdings sollten Sie in Florenz nicht bis zur Durchfahrt der letzten Wagen verharren, sondern sich auf den Weg nach Norden machen. Ziel: die Pässe Futa und Raticosa. Bitte erkundigen Sie sich kurz vorher, ob die Pässe tatsächlich angefahren werden. In manchen Jahren sind Sie aufgrund von Regenfällen und Erdrutschen unpassierbar. Auf den Pässen kommen Sie dann mitten ins Herz der Fanhochburg. Tausende Fans stehen am Straßenrand, rufen, klatschen, winken mit den Mille Miglia-Fähnchen. Jedes Auto wird hier bejubelt. Für Teams und Zuschauer ist es einer der Höhepunkt der ganzen Fahrt.

Futa- und Raticosa-Pass

Unser Tipp: Wenn Sie die Mille Miglia auf den Pässen anschauen wollen, versuchen Sie, so wenig wie möglich die Route der Teilnehmer zu nutzen. Denn in den letzten Jahren hat der Besucherverkehr auf der ausgeschriebenen Strecke gerade auf den Pässen Futa und Raticosa zwischen Florenz und Bologna zu fast unerträglichen Zuständen geführt. Zudem verwechseln etliche einheimische Zweiradfreunde die kurvige Pass-Straße in der Toskana mit der nahegelegenen Rennstrecke von Mugello und fegen mit großer Risikobereitschaft über die stark befahrene Strecke. Nutzen Sie einfach die Straßen, die von der Autobahn Florenz-Bologna direkt zu den Streckenabschnitten der Mille Miglia führen. Sie ersparen sich dabei viel Stress und sehen weit mehr, als wenn sie im Feld mitfahren würden. Außerdem können Sie die Nebenstrecken nutzen, um einfacher und schneller wieder abreisen, etwa zur Zielankunft in Brescia.

Brescia

In Brescia werden ab ca. 21.30 Uhr die ersten Teilnehmer auf der Viale Venezia zurückerwartet. Ein stimmungsvoller Ausklang, mit Gesichtern, die für sich sprechen. Oder steht Ihnen bereits jetzt der Sinn nach einem kühlen Wein im Hotel? Kein Problem: die lokale Fernsehstation Teletutto überträgt die Zielankunft vom ersten bis zum letzten Auto. In den großen Hotels und einigen Lokalen laufen die Fernseher mit den Bildern der Mille-Helden. Und auch das gehört zur Mille Miglia: dieses Gefühl, alles wirklich Wichtige verpasst zu haben. Doch keine Panik: im nächsten Jahr wird es wieder eine Mille Miglia geben.

Vorbereitung:

Zur besseren Orientierung empfehlen wir die Michelin-Karten 428 - 430 (Italien Nord-West, Nord-Ost und Mitte). Sie haben den Maßstab 1:400.000. Für die von uns vorgeschlagene Reise reicht die Karte Italien-Mitte. Unverzichtbar ist zudem ein Stadtplan von Brescia sowie der Stadtplan von Florenz.

Dirk Johae/ Michaela Schloemann

 
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