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Faszination Oldtimer-Segeln

(c) TWM Blauer Himmel, ein leichtes Lüftchen, angenehm sommerleiche Temperaturen - der Empfang auf dem Flughafen auf Sardinien könnte kein besserer Start für unsere außergewöhnliche Reise sein. Eine Zeitreise in die Segelwelt der 1920er Jahre, bestimmt von Wellen und Wind. Nach einem herzlichen Willkommen am Flughafen bringt und Eigner Andreas Steidle-Sailer zu unserem Reisegefährt, das in der Bucht von Portopisco vor Anker liegt. Schon auf der Höhe der Bucht fällt die "Kairós" ins Auge. Der Schnitt des Schiffes und die zwei Masten heben sich sofort von der Masse ab. Ein majestätischer, eleganter Eindruck, der sich bei der Fahrt im Beiboot aus dem Hafen noch verstärkt. Ein ungewöhnliches Schiff, das es nach dem Begrüßungschampagner schnell zu erkunden gilt. Vor allem die Dimensionen beeindrucken: der 2-Mast-Schoner hat eine Länge von 38 m (125 Fuß), eine Breite von 8,20 m und einen Tiefgang von 3,80 m. "Unglaublich!" murmeln einige der Passagiere mit dem Blick in den Segelhimmel. Insgesamt 556 qm Segelfläche werden uns in den nächsten Tagen je nach Wind in das Mittelmeer hinaustragen. Kurze Zweifel über das erste Hafenmanöver verschwinden schnell. Vorfreude, Staunen und Dankbarkeit mischen sich zu einem euphorischen Urlaubsgefühl.

Schnell verstauen wir unsere Klamotten in unserer großzüzigen Kajüte, in der sich die gegenwärtige Technik harmonisch mit dem Stil der 1920er Jahre zu modernem Komfort inkl. Klimaanlage vereint. Benannt nach klassischen Yachten bieten die sieben Doppelkabinen und die drei Kabinen mit Stockbetten ausreichend Platz für 20 Passagiere. Wir suchen unseren Platz gemeinsam mit den anderen Reisenden jedoch erst einmal im Wasser. Die wunderbare Abkühlung bietet einen beeindruckenden Blick auf die Kairós und ihr harmonisches Retrodesign. Nach alten Konstruktionsplänen hat der junge Konstrukteur Klaus Röder, der in Southhampton Schiffsbau studiert hat, eine Segelyacht geschaffen, die Vergangenheit und Moderne fließend vereint. Gebaut in Bodrum, Türkei, segelt die Yacht seit Beginn der Saison 2007 auf den Weltmeeren. Im Sommer im Mittelmeer, im Winter in der Karibik. Den Kurs bestimmen bei den Segelkreuzfahrten der Wind und das Meer, bei Themenkreuzfahrten der Wind und die Reiseleitung. Nicht nur Dank des Schiffsnamens, der auf den griechischen Gott des "günstigen Augenblicks" zurückgeht, nutzt die fünfköpfige Crew jeden Augenblick, um die Reise zu einem einzigartigen Erlebnis zu machen.

Unser Trip wird am nächsten Morgen starten, erfahren wir in der schönen Abenddämmerung. Leckere Düfte aus der Kombüse und angeregte Gespräche in lockerer Atmosphäre bereiten uns einen wunderschöner ersten Abend auf unserem Schiff, auf dem sich alle sofort wohlgefühlt haben. Vor allem, weil die Beziehung zur Crew und zu den Mitreisendenden locker ist. Eben auf einer Wellenlänge. Am Morgen geht es los in Richtung Caprera zum Baden in die Bucht Cala Coticcia, am Spätnachmittag ankern wir in der traumhaften Bucht Liscia die Vacca. Im Hinterrund das Hotel Pitrizia die Vacca, von dem man erzählt, dass es das teuerste Hotel auf Sardinien, vielleicht sogar in Italien ist. Die Informationen des Kapitäns Dario ließ uns schmunzeln, denn schon jetzt war klar, dass wir das schönste Hotel des Mittelmeeres unter uns hatten. Egal, wo wir in den nächsten Tagen hinsegelten, wo wir von Paparazzis auf der Promijagd aus dem Hubschrauber beobachtet wurden, wir waren auf unserer Yacht fernab von den Höher-Größer-Breiter-Prahlwettbewerben in Häfen, wie Porto Cervo. Die Ruhe, der Wind und das einfache Wohlfühlen lies uns einfach mit einem Schmunzeln am Hafen vorbeirauschen. Der Abend war erneut geprägt von gutem Essen, aufmerksamen Service und interessanten Gesprächen.

(c) TWM Nach dem Frühstück am nächsten Morgen folgen wir dem Vorschlag unseres sympathischen Kapitäns und fahren mit der Schnulle in eine kleine angrenzende Bucht. Ihren Namen Poltu Quato muss man sich merken. Als wenn Seeräuber sie entdeckt hätten. Eine natürlich lange Bucht, durch Felsen nach allen Seiten gesichert, mit einem langer Schlauch, der auch gleichzeitig der Hafen war. Man merkte schnell, dass das etwas Besonderes ist. Am Ende ein kleiner Ort mit Wohnungen, einem Marktplatz mit kleinen Geschäften und ein Hotel - Sol Melia. Ein Ort für die Schönen und Reichen, die die angrenzenden Cafes bevölkerten. Den zur Schau getragenen Reichtum brachte Dario auf eine schelmische Idee. Mit unserer Mitreisenden Silke betrat er das nächstgelegene Schuhgeschäft und verlangte die teuersten Schuhe. Die Verkäuferin mit den Dollarzeichen in den Augen präsentierte Sandaletten mit üppig funkelndem Steinbesatz. Nicht gerade zur Zufriedenheit unseres Kapitäns, der mit den Worten: "Das sind leider nicht genug Diamanten." enttäuscht das Geschäft verließ. Noch später im Boot wollte das Lachen nicht verklingen. Zurück in unserem Boot und unserer Segelwelt genossen wir die wiedergewonnene Ruhe und Erholung. Lesen, träumen, schlafen und reden, jeder tat das, wozu er gerade Lust hatte. Immer in dem Bewusstsein, dass wir viel Glück mit den Menschen in unserer zufällig zusammengestellten Gruppe an Bord hatten. Die Besatzung war unauffällig, leise, effizient und die Crew stets harmonisch und aufmerksam. In der Nähe der Insel Maddalena liefen wir noch eine kleine Badebucht an, denn wir wollten abends in Maddalena tanken und im Hafen übernachten, damit wir auch mal einen Landgang machen konnten. Mit einem perfekten Manöver, mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerkes legte Dario das Schiff an die Tankstelle. Kurz danach stürzten wir uns an Land ins Getümmel. Da der 15. August in Italien ein hoher Feiertag ist, hatten sich die Einwohner verkleidet. Die Stadt war gerammelt voll, fröhliche Stimmung. Laut, aber schön. Auf dem Rückweg in den Hafen überkam uns beim Anblick des Schiffes wieder ein gewisser Stolz und große Dankbarkeit. Zurück auf dem Schiff kam nach Mitternacht schon etwas Wehmut auf, denn es war der letzte Abend an Bord. Mit Andreas, dem Eigner, sprachen wir bis in die frühen Morgenstunden über die tolle Mannschaft, das Schiff und all die Eindrücke. Aber was wir wirklich fühlten, konnten wir in diesem Moment nicht wirklich rüberbringen.

Gegenüber in der Bucht in Palau wurde am nächsten Morgen gemeinsam gefrühstückt. Und dann war es Zeit Abschied zu nehmen. Wir machten es kurz und bündig, stramme Seemänner zeigen nicht allzu viel Gefühl, aber es war uns warm ums Herz. Tschüss - es waren tolle Tage voller Leidenschaft. Danke, dass wir das erleben durften. Aus dem Taxi erhaschten wir einen letzten Blick auf die elegante Kairós. Im Gegensatz zu den Schuhen ist die Segelyacht ein echter Diamant. Und die leuchtenden Sterne waren die Menschen. Faszination Oldtimersegeln.

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