Als
er geboren wurde, existierte die Titanic bestenfalls in den Köpfen einiger
Schiffsbauingenieure. 1905 kam Manfred von Brauchitsch als Sohn einer
preussischen Offiziersfamilie in Hamburg zur Welt.
1929 bestritt er ein
erstes Autorennen in einem Mercedes-Benz SS Kompressorwagen und gewann.
Bekannt wurde er 1933 durch seinen Sieg auf der AVUS in einem SSKL mit
Stromlinienkarosserie. Im Jahr darauf war der damals 28jährige dabei,
als der Mythos Silberpfeil geboren wurde.
Mercedes-Benz
setzte den neuen Monoposto zum ersten Mal beim Eifelrennen auf dem Nürburgring
ein. Der Mercedes-Werksfahrer gewann das Rennen vor Hans Stuck im Auto Union.
Seinen
ersten Grand Prix-Sieg feierte Manfred von Brauchitsch 1937 in Monaco.
Auf dem engen und kurvigen Straßenkurs kreuzte er nach 100 (!) Runden
mit einem Vorsprung von einer Minute 25 Sekunden die Ziellinie. Hinter
ihm belegten seine Teamkollegen Rudolf Caracciola und der junge Schweizer
Christian Kautz die weiteren Podiumsplätze. 1938 gelang ihm der zweiten
und auch schon letzte Grand Prix-Sieg. In Reims distanzierte er wieder
Rudolf Caracciola. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in der Champagne
erzielte von Brauchitsch eine Durchschnittgeschwindigkeit von 162,76 km/h,
und das bei einer Renndauer von über 3 Stunden.
„Keiner war da von
uns angeschnallt, keiner hatte einen Sturzhelm“, so eröffnet von Brauchitsch
eine seine vielen Erzählungen. Mit schnarrender Stimme, dem Achtzylinder
seines Silberpfeils von damals ein bißchen verwandt, führt er fort: „Wir
hatten einen kleinen Lappen auf dem Kopf. Bei 340 haben wir in den vierten
Gang geschaltet. Und das nicht über Knöpfchen am Lenkrad. Wir mußten das
Lenkrad loslassen, runtergreifen und schalten. Zwischengas gab es damals
auch noch.
"Heute ist das in meinen
Augen Salon. Wir waren Untertreppe, wir waren Souterrain“.
Am
Boden lag Manfred von Brauchitsch beim Großen Preis von Deutschland 1938.
Nach dem Betanken seines Autos brach ein Feuer aus. Bis zum Boxenstopp
hatte von Brauchitsch in Führung gelegen. Der Fahrer wurde durch Rennleiter
Neubauer aus den Flammen gezogen. Sein Wagen wurde gelöscht und war mit
Löschschaum überzogen. Dann riefen die Mechaniker: „Manfred, Manfred,
du kannst weiterfahren“. Der Offizierssohn kletterte in den 485 PS starken
Silberpfeil. „Dann hab ich druffjetreten“, beschreibt von Brauchitsch
die Verfolgungsjagd auf seinen Teamkollegen Richard Seaman.
Doch er kommt nur
wenige Kilometer weit und landet an der Quiddelbacher Höhe neben der Strecke.
„Das Lenkrad war nicht richtig festgemacht“, erzählte von Brauchitsch.
Zur Demonstration kehrte er mit dem corpus delicti in der Hand an die
Box zurück. Die Mechaniker aber auch Rudolf Uhlenhaut waren sich sicher,
daß der Schnellverschluß vor der Abfahrt eingerastet war.
Am 3. September 1939
bestritt von Brauchitsch sein letztes Rennen. Auf dem Kurs von Belgrad,
der teilweise aus Kopfsteinpflaster bestand, mußte er sich Tazio Nuvolari
im Auto Union geschlagen geben. 7,6 Sekunden war der Fliegende Mantuaner
schneller.
Direkt nach dem Krieg
übernahm Manfred von Brauchitsch die Aufgabe als Präsident des Automobilclubs
von Deutschland. 1953 übersiedelte er in die DDR, wo er den Allgemeinen
Deutschen Motorsportverband mitgründete, und von 1960 bis 1990 Präsident
der „Gesellschaft zur Förderung des olympischen Gedankens in der DDR“
war.
I n
seiner aktiven Rennfahrerlaufbahn erreichte er in 11 Jahren 45 Podiumsplätze
bei Rundstreckenrennen und Bergrennen.
1984 fuhr Manfred
von Brauchitsch noch einmal einen Silberpfeil. Zur Eröffnung des neuen
Nürburgrings konnten die Zuschauer ihn in einem Mercedes-Benz W125 erleben.
Mit einem solchen Grand Prix-Wagen hatte er 1937 den Großen Preis von
Monaco gewonnen. Historisch auch sein Auftritt, als er - als letzter Verbliebener der legendären ersten Silberpfeil-Piloten-Generation 1997 die Rückkehr der Mercedes Benz Silberpfeile in die Formel 1 verfolgte. Das Interesse am Motorsport begleitete ihn bis zu seinem Tod am 5. Februar 2003. Im nicht nur für einen Rennfahrer historischen Alter von 97 Jahren starb er in Gräfenwerth bei Schleiz in Thüringen. |