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Ruhrgebietsjungs und ihr Opel-Motorsport in den 1960er Jahren

2010 ist das Ruhrgebiet die Kulturhauptstadt Europas und zeigt stolz die Ergebnisse des Strukturwandels. Die Anfänge des Wandels nach Kohl- und Stahlkrise in den 1960er Jahren erlebten wir in der Region mit Freunden, in den Familien, Fußballvereinen und in den Kneipen hautnah mit. Auf der Gelände der ehemaligen Zeche Dannenbaum wurde 1962 das Opelwerk Bochum eröffnet. Viele junge Bergleute und Stahlarbeiter fanden hier neue Arbeit mit guten Zukunftschancen. Als dann 1966 der Rallye-Kadett mit 1100ccm, Doppelvergaser und sportlichem Design auf den Markt kam, war eine ganze Generation elektrisiert. Nun war Opel-Motorsport im Ruhrgebiet angesagt. Viele Clubs in Bochum, Schwelm, Hagen, Dortmund und Essen widmeten sich dem aktiven Motorsport. Am Wochenende gab es kleinere Ralleys, aber auch die großen Rallyes , wie die Rallye Monte Carlo, 1000 Seen, Lyon Charbonnieres, Rallye Wiesbaden und die Veranstaltungen auf dem Nürburgring waren Ausflusgziele. Die Rundstreckenliebhaber konzentrierten sich auf die Strecken in Zolder, Zandvoort, Spa und die Flugplatzrennen. Die Rallyefahrer fuhren beides, darunter das 6 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, später dann 24 Stunden-Rennen und was es sonst noch gab. Der Eifelkurs war der Maßstab...

Wer da nicht schnell war, egal ob tags oder nachts, bekam wenig Anerkennung. Einen leichten Heimvorteil hatten die Einheimischen aus Adenau und Mayen. Viele fuhren etwas rustikal, aber immer schnell. Vor allem Heinz Henrici. Einarmig, rauchend fuhr er Porsche war auf der Langstrecke eine Größe, die bei jedem Wetter schnell war. Wenn er nicht ausfiel, war er ein Garant für den Sieg. Ende der 1960er Jahre waren Opel Modelle im Motorsport eher selten, was sich dann durch den Rallye-Kadett änderte. Mit seinen 1100 ccm war er im Bezug auf die Kubikmeter in einer guten Klasseneinteilung, die von der obersten nationalen Sportbehörde (ONS) festgelegt wurde. Mit dem Kadett begann die Opelzeit im Motorsport, die auch besonders im Ruhrgebiet ihre Wurzeln hatte.

Für uns war Essen der Schmelztiegel des Motorsports. Dieter Fröhlich, Joachim Knollmann, Horst Bonefeld, Erich Bitter, Bernd Niehaus und ich waren Opelfahrer, die sich schon damals gegenüber dem Essener Messegelände im alten Schinkenkrug, montags zum Stammtisch trafen. Da gab es die Motorshow Essen noch nicht. Am Stammtisch waren alle Marken vertreten: Rüdiger Faltz und Zacki Zweibäumer und Peter Kuhlmann fuhren BMW, Harald Grohs damals noch Fan, wurde später ein international erfolgreicher Rennfahrer, Peter Rust Fiat, Peter Ochs und Konny Lammers fuhren VW und die Kölner Jungs mit H.P. Joisten, der dann leider viel zu früh in Spa tödlich verunglückte, Thomas Fervers, Lips und Kautz, schauten häufiger vorbei. Ebenso Jürgen Neuhaus aus Wuppertal. In den nächsten Jahren etablierte sich die Marke mit dem Blitz mit dem Kadett bis 2 l, dem Commodore 2,8 l, dem Ascona mit 1,6 und 2 l im Motorsport. Achim Warmbold aus Duisburg war zunächst noch Copilot beim späteren deutschen Rallymeister Zweibäumer, wechselte aber dann schnell ans Lenkrad. 1970 war er mit Wulf Biebinger schon ein beachteter Opelreiter und feierte den Gesamtsieg der Rallye Wiesbaden.

Im Jahr 1970 wurde auch die Firma Steinmetz gegründet, die sich ausschließlich um die Marke Opel kümmerte und die Autos national und international einsetzte. Achim Warmbold wurde dann mit dem 2Liter Kadett Gruppe 2 1972 deutscher Rallyemeister und Dieter Fröhlich aus Essen fuhr den Comodore 2,9 Liter mit 300 PS auf der Rundstrecke. Bei den großen internationalen Rennen, wie Monza, Spa oder auf dem Nürburgring, teilte sich Dieter Fröhlich sich das Lenkrad mit Wille Kauhsen. Nach nur einigen Jahren war die Marke Opel im Motorsport fest verankert und die Modelle ein beliebtes Objekt für die große Gruppe der Breitensportler im Motorsport. Beim 36-Stunden 1972 auf dem Eifelkurs setzte van Eupen, damals ein großer deutscher Opel Händler, mit den Fahren Bonefeld, Niehaus und mir einen Opel Ascona Voyage ein, der soeben noch in seinem Schaufenster gestanden hatte. Härte Dämpfer und Licht waren alles, was an Extras eingebaut wurde. Ein Überrollbügel? Fehlanzeige. 35 Stunden lang fuhren wir alles in Grund und Boden. Aber 30 Minuten vor dem sicher geglaubten Sieg zwang uns ein verbrannter Kontakt bei der Anfahrt zum Karussell zur Aufgabe zwang. Die Presse damals schrieb über den rasanten Kombi vom „schnellsten Lieferwagen auf dem Ring“.

Besonders beliebt war Opel in Skandinavien. Die jungen Finnen und Schweden ließen ihre Opels auf Schnee und Schotter derart fliegen, dass wir mit großen Respekt von den „Fliegenden Finnen“ sprachen. Ebenso respektvoll sprachen wir über ein deutsches Ausnahmetalent. In dieser Zeit fiel in Deutschland ein junger Mann auf, der erst mit einem 850 Fiat antrat und dann von Ernie Kleint einen Capri bekam, um sein Talent zu zeigen - Walter Röhrl.

Wer ihn damals gesehen hat, glaubte der Mann setze die Physik außer Kraft, vor allem bei der Olympia Rallye 1972 - atemberaubend. Von 1972 bis 1976 fuhren Walter Röhrl und Jochen Berger auf Opel und waren unsere Antwort auf die flinken Finnen. Wir bejubelten die Rallye-Weltmeisterschaft. Inzwischen ebenfalls etabliert, die beiden großen Tuner Irmscher und Steinmetz. Leider gab Letzterer Mitte der 1970er Jahre auf. Auch wenn mit 1968 fast immer Unruhen in der BRD verknüpft werden, waren es für Opel- und Motorsportfans unvergleichlich erfolgreiche Zeiten. Wir Bochumer waren mit der Marke stark verbunden. Ich hoffe, dass die Manager von GM die richtigen Menschen in Europa finden, die diese wunderbare alte Marke wieder zu neuem Glanz führen. Wir Aktiven von damals werden immer mit der Marke verbunden bleiben, weil sie eine wichtige Zeit im Motorsport dokumentiert.

Ich wünsche Opel eine schöne Zukunft.

Michael Ruess

 
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