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Juan Manuel Fangio wäre am 24. Juni 2011 100 Jahre alt geworden

Der Rennfahrer Juan Manuel Fangio ist einer der größten und erfolgreichsten Rennfahrer, die es gab. Das Vorbild vieler junger Motorsportfans wäre am 24. Juni 100 Jahre alt geworden. Leider verstarb der bis dato amtierende Rekordsammler von Formel 1-Weltmeistertiteln am 17. Juli 1995. In Balcarce, seinem Geburtstort, wird Fangio zur letzten Ruhe gebettet.

Fangio wird am 24. Juni 1911 im argentinischen Städtchen Balcarce, 400 Kilometer südlich von Buenos Aires, als Kind italienischer Einwanderer geboren. Zunächst scheint eine Karriere als Formel 1-Fahrer in weiter Ferne. Doch der Junge, der eine Ausbildung zum Mechaniker macht, profitiert von der großen Begeisterung seiner Landsleute für den Rennsport. Früh lernt er die lokalen Rennfahrer kennen, sammelt erste Erfahrungen am Steuer und lernt, Fahrzeuge für Renneinsätze umzubauen. 1932 gründet er eine eigene Automobilwerkstatt. Ssein erstes offizielles Rennen fährt Fangio vier Jahre später mit einem umgebauten Ford-Taxi.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schafft Fangio den Sprung von umgebauten Serien-Pkw auf reinrassige Rennwagen und ins internationale Renngeschehen. In Reims fährt er 1948, schon 37 Jahre alt, seinen ersten Grand Prix. Bereits zwei Jahre später wird er Vize-Weltmeister auf Alfa Romeo und gewinnt für die italienische Marke 1951 seine erste Weltmeisterschaft. Im gleichen Jahr entsteht auch die Bindung zur Stuttgarter Marke Mercedes Benz, als er in Buenos Aires eine Niederlassung Marke eröffnet. Und im Februar 1951 sitzt er zudem erstmals am Steuer eines Silberpfeils: Mercedes Benz ist mit drei überarbeiteten Vorkriegsrennwagen des Typs W 154 zu einem Gastspiel nach Argentinien gekommen. Fangio startet neben Karl Kling und Hermann Lang zum „Premio Presidente de la Nación Juan D. Perón“. Die Silberpfeile können auf dem modernen Kurs mit seinen Schikanen aber ihre Geschwindigkeit nicht voll ausfahren. Fangio wird Dritter.

In der Saison 1952, als die Weltmeisterschaft nach der Formel 2 ausgetragen wird, hat Fangio in Monza einen schweren Unfall. Den Rest des Jahres erholt er sich von den Folgen, vor allem von einer Verletzung der Halswirbelsäule. Schon 1953 ist er aber zurück auf der Rennstrecke und wird auf Maserati erneut Vize-Weltmeister. 1954 steht der internationale Rennsport unter einem besonderen Stern: MercedesBenz kehrt in den Grand Prix Rennsport zurück. Als Kapitän des Rennstalls verpflichtet Rennleiter Alfred Neubauer den argentinischen Spitzenpiloten Fangio. Die Stuttgarter haben seit 1953 den Rennwagen W 196 R für die neue Formel 1 entwickelt. Er hat einen 257 PS (189 kW) starken Reihenachtzylindermotor mit 2,5 Liter Hubraum, zwangsgesteuerten Ventilen und einer Benzin-Direkteinspritzung. Neben dem Stromlinienwagen entsteht auch ein klassischer Formel-Renner mit frei stehenden Rädern.

Weil die neuen Silberpfeile nicht gleich zum Beginn der Saison starten, fährt Fangio noch drei Rennen für Maserati. Denn die Weltmeisterschaft der Formel 1 wird zu dieser Zeit ausschließlich für Fahrer vergeben, eine Konstrukteurswertung gibt es erst ab 1958.

Am 4. Juli 1954 werden die Stromlinien in Reims in Frankreich erstmals vorgestellt: eine aerodynamische Sensation. Mit Fangio, Kling und Herrmann ist auch die nächste Fahrergeneration am Start. Fangio hatte den Weltmeistertitel bereits fest im Blick. Gemeinsam mit Kling fährt er einen Doppelsieg nach Hause. Doch trotz der Siege war die Stromlinie nicht optimal: 100 kg mehr Gewicht als die Konkurrenz und Reifen, die bei Nässe das Untersteuern fördern und die Beschleunigung aus den Ecken vermissen lassen. Damit war klar: die Alternative ist ein offener Rennwagen. Am 5. September 1954 in Italien auf dem Hochgeschwindigkeitskurs ist das Mercedes-Rennteam mit der Performance der Stromlinie nicht zufrieden und schickt Kling und Fangio mit der offenen Version noch einmal auf die Strecke. Mit dem Ergebnis, dass beide Fahrer mit der offenen Version 2 sec.schneller sind. Also starteten Fangio und Kling in der Stromlinie und Hans Herrmann fuhr offen. Fangio gewann, Herrmann wurde Vierter. Der scheinbar mühelose Umstieg von Maserati auf den W 196 R unterstreicht einmal mehr die große Anpassungsfähigkeit Fangios: Seit er die harten Langstreckenrennen seiner Heimat gefahren ist, vermag er aus jedem Fahrzeug das Beste herauszuholen. Diese virtuose Improvisation führt den Argentinier immer wieder zum Sieg. Die Saison 1954 wird zum Triumph für Mercedes‑Benz und Fangio: Nach Frankreich erringt er auch in Deutschland (Nürburgring), der Schweiz (Bremgarten) und Italien (Monza) jeweils den Sieg. Fangio wird zum zweiten Mal Weltmeister der Formel 1 – mit fast der doppelten Punktzahl auf den Zweitplatzierten.

Ähnlich dominant zeigt sich der Argentinier 1955: Er gewinnt die Grands Prix von Argentinien, Belgien, den Niederlanden und Italien, in Großbritannien wird er Zweiter hinter seinem Teamkollegen Stirling Moss. Zu den außergewöhnlichen Leistungen der Saison gehört auch Platz 2 bei der Mille Miglia, die Fangio auf MercedesBenz 300 SLR (W 196 S) allein bestreitet.

Nachdem sich Mercedes‑Benz mit dem Ende der Saison 1955 vorerst aus dem Rennsport zurückzieht, gewinnt Fangio zwei weitere Weltmeistertitel auf Ferrari (1956) und Maserati (1957). Zu seinem letzten startet er 1958, 37 Jahre vor seinem Tod, wieder in Reims, wo man auf der langen Zielgeraden viel Muße zum Nachdenken hat und es klar wird, es reiche jetzt eigentlich. In der Dekade dazwischen zimmert er sein eigenes Denkmal. Mit 24 Siegen in 51 Großen Preisen erzielt Fangio eine Erfolgsquote von fast 50 Prozent. 48 Grand Prix geht er aus der ersten Startreihe an. Seine fünf Weltmeisterschaften verleihen ihm den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Bis zu seinem Tod im Jahr 1995 hält er den Rekord von fünf Weltmeistertiteln der Formel 1, der erst 2003 von Michael Schumacher gebrochen wird.

1974 wird er Präsident der Mercedes Benz Argentina S.A und setzt seine Beziehung zur Stuttgarter Marke außerhalb des Cockpits fort. In seinem Heimatort betreibt ein Verein das Museo Fangio. Mit zahlreichen Fahrzeugen und weiteren Exponaten ist es der gesamten Lebensgeschichte des Rennfahrers gewidmet.

 
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