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Mobilität auf zwei Rädern: Gottlieb Daimler und sein Reitwagen

Wilhelm Maybach (1846 bis
1929) auf dem Reitwagen

Die Geburt des Automobils im heutigen Wortsinn findet im Jahr 1886 statt: Die Gründerväter Carl Benz und Gottlieb Daimler erfinden unabhängig voneinander ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor – Benz seinen dreirädrigen Patent-Motorwagen, Daimler seine vierrädrige Motorkutsche. Doch bereits im Spätsommer 1885 bewegt sich der zweirädrige „Reitwagen“ von Gottlieb Daimler ebenfalls mit Verbrennungsmotor aus eigener Kraft. Im November 1885 fährt der Daimler Reitwagen erstmals eine längere Strecke in der Öffentlichkeit: Gottlieb Daimlers Sohn Adolf bewältigt mit ihm den rund drei Kilometer langen Weg von Cannstatt nach Untertürkheim. Was aus heutiger Sicht ein Katzensprung ist, war damals eine Großtat. Denn der Reitwagen ist das erste Fahrzeug mit einem schnell laufenden Verbrennungsmotor und somit der direkte Vorläufer des Automobils.

In der Summe seiner Eigenschaften ist der Reitwagen der wichtigste Vorreiter der individuellen Mobilität, wie sie seitdem das Automobil in Bestform ermöglicht. Er ist der rollende Beweis, dass der Verbrennungsmotor ein Straßenfahrzeug antreiben kann – und dass ein Mensch diese Maschine vollständig kontrollieren kann. Er macht sich die Maschine mit dem Ziel der Fortbewegung vollständig untertan, im Reitwagen sogar bildlich: Der Fahrer sitzt auf dem Motor und umschließt diesen gleichermaßen. Allein über wenige Hebel ist er in der Lage, das Fahrzeug in Gang zu setzen. Damit hat der Reitwagen eine große Signalwirkung, die bis in die heutige Zeit fortwirkt. Eine weiteres bedeutsames Signal setzt der Reitwagen zudem mit seiner Kompaktheit: Er nutzt den damals kleinsten und leistungsfähigsten Verbrennungsmotor, der problemlos in einem Zweirad unterzubringen ist – ein kleineres Fahrzeug mit Verbrennungsmotor als den Reitwagen kann man damals nicht bauen.

Daimler Reitwagen

Die wichtigste VorausseWilhelm Maybach (1846 bis 1929) auf dem im Jahr 1885 von Gottlieb Daimler zu Patent angemeldeten Reitwagentzung für den Reitwagen, zugleich das erste Motorrad der Welt, ist Gottlieb Daimlers Viertakt-Einzylindermotor, den er am 3. April 1885 zum Patent anmeldet – ein Meilenstein der Technikgeschichte, denn das Aggregat ist klein und leistungsfähig, verglichen mit den damaligen Verbrennungsmotoren für den Stationärbetrieb. Daimler hingegen hat vor allem die mobile Verwendung vor Augen. Er meldet den Reitwagen mit einer „Gas- oder Petroleum-Kraftmaschine“, wie es in der Patentschrift heißt, am 29. August 1885 zum Patent an (DRP Nr. 36 423, ausgegeben am 11. August 1886). Der Reitwagen ist der rollende Beweis, dass die Verbrennungsmaschine ein vom Menschen kontrolliertes Straßenfahrzeug antreiben kann. Zudem zeigt er auf eindrucksvolle Weise, wie klein und leistungsfähig der Daimler-Motor ist. Daimler verfolgt die Vision der umfassenden Motorisierung diverser Fahrzeuge, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Schon früh demonstriert er die universellen Einsatzmöglichkeiten des Motors, beispielsweise 1887 in einem Boot, 1888 im Luftschiff von Friedrich Hermann Wölfert.

 
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