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Die Fussspuren der Targa Florio

Der Laden in Cefalu

Die Targo Florio ist eines der berühmtesten Rennen der Welt, das seit 1977 nicht mehr ausgetragen wird. Einst ein Klassiker auf den Bergstraßen Siziliens, dessen Ergebnisse zur WM für Sportwagen und GTs zählte, sind es heute vor allem die Erinnerungen an die großen Renntage und ihre Helden, die entlang der Strecke noch zu finden sind. Wir haben uns auf die Spuren der Targa Florio begeben und uns mit einem ganz besonderen Weggefährten an die Traditionsveranstaltung erinnert. Denn Schuster „Ciccio“ kennt die Geschichten und Helden der Targa Florio und ihre Fussstapfen wie kein anderer.

Ciccios Geschenk für das Porsche-Museum

Der Start zum Rennen zwischen 1906 und 1977 war auf der SS. 113 ab Cerda in Richtung Norden, das ersehnte Ziel erreichten die Fahrer auf der 72 km langen Rundstrecke von Campofelice di Roccella über die 6 km langen Buonfornello-Geraden in Richtung Cerda am Meer entlang. Im nächst größeren Ort Cefalu, ganz nah an der ehemaligen Strecke, suchen wir nach dem berühmten Schuhmacher, der die Schuhe für die Rennfahrer anfertigte und reparierte. Auf die Frage nach dem Weg zu ihm, lacht der alte Sizilianer an der Hausmauer und deutet nur auf die Straße, die parallel zum Meer verläuft. Kurze Zeit später taucht die alte Reklame an der Hausmauer auf, die schlicht „Ciccio“ ankündigt. So nennen ihn hier alle, unter diesem Namen ist er seit Jahrzehnten ein Begriff in der Rennszene. Die Glasscheibe gibt den Blick frei auf einen Laden voller unterschiedlichster Schuhe, die jeden Zentimeter zu bedecken scheinen. Hier bin ich richtig.

Laudas Widmung

Das Foto vom Laden ist noch nicht gemacht, da kommt ein älterer Herr aus dem Laden und fragt, was ich hier mache. „Tante salute“ richte ich vom Porsche-Museum aus und sofort nimmt mich der Ladenbesitzer Ciccio wie einen alten Bekannten in den Arm. In seinem Laden erzähle ich ihm von unserer geplantem Geschichte über die Spuren der Targa Florio. Die sind im kleinen Schumacherladen reichlich vertreten. Die Bilder an den Wänden zeigen die Helden der Targa Florio und erzählen auch die Geschichte von Ciccio, der eigentlich Francesco Liberto heisst. Auf den teilweise verblichenen Fotos und Zeitungsausschnitte im Laden sind alle Idole zu sehen: Mario Andretti, Clay Regazzoni, Niki Lauda, Vic Elford, Jo Siffert, Jacky Ickx, Joakim Bonnier, Ludoficio Scarfiotti und Leo Kinnunen, Arturio Merzario Carlos Reutemann und Emmerson Fittipaldi.

Ciccio bei der Anprobe mit Clay Regazzoni

Bei diesem Namen geraten Rennfans allen Alters ins Schwärmen. Sie alle vereinen sich in diesem kleinen, charmanten Laden mit seinem herzlichen Besitzer und seiner ganz besonderen Ausstrahlung. In mehr als 45 Jahren hat der Sizilianer, der am 19.02.1936 in Cefalu geboren wurde, allen großen Rennfahrern zu siegreichem Schuhwerk verholfen. Für viele wurde ein ganz eigenes Design entworfen. Ciccio ist in seinem Element und erzählt im Wechserl zwischen Italienisch und Englisch von seinen ersten Rennfahrerschuhen, von den Renngrößen dieser Targo Florio und voller Stolz und gleichzeitig Bescheidenheit, wie er sich in der Rennszene einen Namen machte. Eine wunderbare Begegnung, Renngeschichte pur abseits der Strecke.

ein unvergessener Besuch in Cefalu

Wo ich schon einmal da bin, gibt er mit direkt auch noch ein Geschenk für das neue Porsche-Museum mit. Mit Hilfe des Designers Alessandro Chelli vom Scenograto in Milano hat er einen Schuh zu Ehren des Targa Florio Sieges von 1968 von Vic Elford und Umberto Maglioli angefertigt. Zum Schluss nimmt er mich noch einmal in den Arm und sagt: „Mister, im Oktober ist es ruhiger. Dann fahren wir Strecke ab und ich zeige Dir alles!“ Ich sage leise „Grazie“ und freue mich auf die erneute Spurensuche, auch wenn es nächstes Mal Reifenspuren werden sollten.

Michael Ruess

P.S. Einen Eindruck vom Rennschuh-Macher Ciccio gibt es unter www.ciccioshoes.it

 
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