Programm

Emilia Romagna - Terra di Motori - Im Land der Motoren

Dom in Modena

Italien ist als Land der Sonne und des guten Essens bereits bekannt. Und dem leisen Ruf als Land der Motoren mit zwei oder vier Rädern helfen wir nun ein bisschen auf die Sprünge. Während in Deutschland gerade 125 Jahre Automobil von den Erfindern Daimler und Benz gefeiert wird, schauen wir nach Italien, wo klangvolle Namen bereits in den ersten Jahrzehnten der jungen Mobilitätsgeschichte den deutschen Marken Paroli bieten konnten: Fiat, Alfa Romeo, Stanguellini, Lancia und später nach dem 2. Weltkrieg auch Ducati, Vespa, und vor allem Ferrari. Eines haben fast alle Marken gemeinsam – sie kamen aus der Region Emilia Romagna.

Als „Bauch Italiens“ ist die Region bekannt, weil hier die kulinarisch wichtigen Dinge zu Hause sind: Prosciutto, Parmigiano Reggiano, Lambrusco und Balsamico. Über diese wunderbare Seite, die wir Deutsche ganz besonders lieben, hinaus hat die Region Emilia Romagna aber noch mehr zu bieten: Motorsport und Autoseelen. Es ist die Region der Motoren: „Terra di Motori“ nennt sich der hoch professionell arbeitende Zusammenschluss der Museen dieser Region. Pendants gibt es auch in den Regionen Piemont, Lombardei und Toskana. Ein ideales Reiseziel für Auto- und Motorsportfans.

Es gibt auf der Terra di Motori zwischen Piacenza und Rimini eine Menge zu entdecken, je nach Vorliebe kann man sich auch mal für einen Tag trennen, um sich am Abend bei einem guten Wein die zahlreichen Eindrücke zu erzählen. Wir haben bei unserem ersten Besuch nicht alle Museen geschafft, werden aber auf jeden Fall wiederkommen. An der Strecke liegen zwölf mehr oder weniger offizielle Museen und private Sammlungen rund um italienische Zwei- und Vierräder. Wir empfehlen, den Service der Agentur Modenatur zu nutzen, die vor allem die privaten Sammlungen zugänglich macht und einem bei der Reiseplanung sehr gerne kompetent zur Seite steht.

Velobenz

In Begleitung von Luca Sandri, einem der Mitarbeiter der Agentur Modenatur, starten wird mit der Besichtigung der privaten Sammlung von Righini. Alleine die Vielzahl der Autos und Motorräder ist beeindruckend. Während wir in Deutschland 125 Jahre Automobil feiern, steht hier der erste Benz Velo Italiens in der Garage. Allerdings hat uns ein anderes Auto noch mehr beeindruckt: der 815 Avio. Es ist der erste Ferrari, der 1940 bei der letzten Mille Miglia vor dem 2. Weltkrieg von Alberto Ascari gefahren wurde. Dieses Fahrzeug, von dem nur 2 gebaut wurden, ist eins nach einem Unfall verschrottet worden. 815 weil der Wagen 1500 ccm und 8 Zylinder hat. Aufgrund seines Vertrages mit dem Arbeitgeber Alfa durfte Ferrari zu diesem Zeitpunkt noch keine eigenen Autos unter seinem Namen bauen. Deshalb der Umzug über die Bezeichnung.

Der erste "Ferrari"

Es war ein bewegender Moment neben dem ersten Ferrari zu stehen und die außergewöhnliche Formgebung und Farbe zu bewundern. Etwas weiter steht direkt der nächste Ferrari: ein Mondial aus dem Jahr 1953 in gelb. Er soll bei der Mille Miglia 1957 die Durchschnittsgeschwindigkeit in seiner Klasse auf 150 km/h erhöht haben. Viele Motorräder, Alfas, Lancias und andere Marken runden die interessante Sammlung ab. Und ein Bogen von Alt zu Neu wird auch gespannt – neben einem Alfa 8C aus den 1920er Jahren steht das aktuelle Pendant.

Am nächsten Tag geht es zu Stanguellini, wo wir sehr warmherzig in Deutsch empfangen werden. Museumsführer Arturo Vicarion hat viele Jahre bei NSU in Neckarsulm gearbeitet und spricht noch sehr gut Deutsch. Er hat uns die Geschichte sehr nahe gebracht hat und erzählte von einem Sohn der 3. Generation - Simone Stanguellini -, der heute noch beim Historic Grand Prix in Monaco und bei der Panamericana beherzt ins Lenkrad greift. Was in diesem Museum auffällt, sind die Erinnerungen an die großen Fahrer der Marke, wie von Trips und Fangio. Unser nächster Stopp ist Modena. Nach einem Stadtrundgang durch die schöne Altstadt sitzen wir bei einem Espresso zusammen im Caffe Concerto direkt am Dom. Jeder, der nach Modena kommt, muss einen Abstecher dorthin machen.

Geburtshaus von Enzo Ferrari

Nach der Mittagspause kommt unser Reiseleiter Luca auf die Idee, zum Ferrari Geburtshaus zu fahren. Das freut uns sehr, vor allem weil eine vorherige Anfrage bei Ferrari mit dem Hinweis auf die Baumaßnahmen abgelehnt wurde. Als wir auf der Baustelle ankommen, müssen wir uns tatsächlich erst einal anmelden. Sofort die wichtigen Fragen: „Wer seid Ihr?“ Es wird wichtig hin und her telefoniert. Wir nutzen die Gelegenheit, uns umzuschauen. Da ein altes, braunes Haus, daneben ein Glaspalast mit futuristischer Linie. Dann kommt plötzlich der Baustellenleiter, verpasst uns Helme und wir dürfen uns umsehen. Gestern sahen wir den ersten Ferrari, jetzt stehen wir vor Enzo Ferraris Geburtshaus. Plötzlich spüren wir, mit wie vielen Emotionen diese Marke verbunden ist. Andächtig, mit leiserer Stimme erklärt man uns die Philosophie dieses Ortes, der zum Museum umgebaut wird. Es wird ein modernes Dach geben, das wie eine gelbe Motorhaube mit Luftschlitzen nach dem Elternhaus „greift“. Ein Gänsehautmoment. Hier entsteht etwas ganz Großes für die Marke Ferrari und die Kommune Modena, die gemeinsam mit Ferrari der Träger des Projektes ist.

Das geplante Museum

Tags darauf sind wir auf dem Weg zur Panini-Kollektion. Nachdem Maserati seine Museumsfahrzeuge verkaufen wollte, übernahm Panini sie, um sie in dieser einzigartigen Form zusammen zu halten. Jetzt stehen sie auf einem Bio-Bauernhof, auf dem der berühmte Parmigiano Reggiano hergestellt wird. Dazu ein Tipp: Balsamico und Käse probieren, mehr braucht man nicht. In der Sammlung fallen der 250 F und der Eldorado von Stirling Moss, auf. Letzterer war der 1. Formel 1-Wagen Werbung. Auch der wunderbare Birdcage ist immer wieder eine Augenweide. Hier werden Masertai-Träume wahr.

Panini-Sammlung

Als wir Modena nach einem ausgedehnten Besuch verlassen, schauen wir noch kurz bei Lamborghini rein. Auch wenn sie noch nicht ausgiebig auf ihre Tradition setzen, sind einige Exponate ausgestellt. Unser Interesse gilt dem Miura SV. Am folgenden Morgen geht es weiter nach Ravenna, wo wir uns bei Mauro Pascoli die Vespa-Geschichte anzuschauen. Wir erfahren alles über die Geschichte des legendären Rollers und schwelgen in Erinnerungen an die eigenen Zweiräder der Marke. Beeindruckend auch das große Ersatzteillager, für Fans ein Eldorado.

Die Terra di Motori ist wirklich für jeden Zwei- oder Vierradfan ein Eldorado. Wir werden wiederkommen, denn wir haben längst noch nicht alles gesehen.

Informationen:
www.modenatur.it
Ersatzteile Vespa:
w ww.mauropascoli.it

 
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