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Rudolf Caracciola

(c)DaimerChryslerDie Rennkarriere des Kaufmannssohnes aus dem rheinischen Remagen, der am 30. Januar 1901 geboren wurde, begann am 10. Juni 1922 beim Berliner AVUS-Rennen. Die AVUS - die "Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße" - besteht 1922 aus zwei jeweils zehn Kilometer langen Geraden, verbunden durch zwei enge Kurven an Nord- und Südende. Eine Tortur für Motoren und Reifen. Der Volontär der Aachener Fafnir-Automobilwerke verblüfft bei seinem Debüt am Rennlenkrad, weil er auf Anhieb Vierter wird und sich gegen seine Teamkameraden durchsetzt. Caracciola gewinnt 1922 mit dem Fafnir noch das "Stadionrennen" auf der Opelbahn und mit seinem privaten NSU-Motorrad ein Rennen "Rund um Köln". Bis dahin hatte es keinerlei Anzeichen für Caracciolas Renntalent gegeben.

Diese ersten Erfolge führten bei dem 21-jährigen zu dem Entschluss, Rennfahrer zu werden und nicht das elterlich Hotel in Remagen zu übernehmen. Einige Jahre später erklärte er dazu: „Für mich war diese Entscheidung keine Laune des Augenblicks, ich war zutiefst von der Faszination dieses Sports überzeugt". 1923 nimmt er statt eines geplantes Studiums bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft einen Dienstvertrag als "Verkaufsbeamter" an und holt mit dem zur Verfügung gestellten Mercedes 6/25/40 PS bis zum Ende des Jahres elf Siege. Zwei Jahre nach Beginn seines Rennfahrerlebens ist er bereits Mitglied der Mercedes-Rennmannschaft. Am Ende der Saison 1924 kann Carraciola 22 Siege und zwei 2. Plätze aufweisen - eine überzeugende Leistung. Nebenher fährt Caracciola auf einer 350er Garelli noch drei Motorrad-Bergrennen. Auch die gewinnt er. Selbstverständlich.

Ab 1925 setzte Mercedes erstmals die „Weißen Elefanten" ein, die berühmten „SS"-, „SSK"- und „SSKL"-Rennsportwagen, die ihren Spitznamen den voluminösen Abmessungen verdankten. Caracciola verstand es, die "Ungetüme" im Sinne des Wortes "meisterhaft" zu bewegen.

Auf einigen Landstraßen Etappen der Mille Miglia 1931 erreicht der Remagener Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 155 km/h. Nur eine von vielen Leistungen, die "Caratsch" in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einer Art Synonym für die erste Generation der Mercedes-Silberpfeile werden ließ.

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Caracciola bei der Mille Miglia 1931

1930 nahm Caracciola mit einem SSK erstmals an der Mille Miglia teil und feierte neben einem Sieg in der Acht-Liter-Klasse auch Platz 6 im Gesamtklassement. Die Zeit: 17 Stunden, 20 Minuten, 17,4 Sekunden und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 92,8 km/h. Am Ende der Saison jedoch war er plötzlich arbeitslos, denn die Weltwirtschaftskrise ließ auch Daimler-Benz kein Geld mehr für Rennen. Jetzt erst recht, sagte sich Caracciola und handelte mit Unterstützung seines Rennleiters Alfred Neubauer einen Vertrag auf privatwirtschaftlicher Basis mit seinem alten Arbeitgeber aus. So konnte er in der Saison 1931 wieder auf Mercedes-Benz an den Start gehen. Sein Rennprogramm sah 26 Rennen in 14 Ländern vor, meist mit dem SSKL (Super-Sport-Kurz-Leicht), der in der Sportversion 300 PS leistete, in der Rennversion um die 340 PS und um 125 Kilogramm leichter war als der SSK.

Die Mille Miglia vom 12. zum 13. April war sein erstes Rennen. Eine Parforcejagd gegen die Uhr, ohne fassbare Gegner in einem brüllenden, schüttelnden, bockenden 1,7-Tonnen-Ungeheuer, das Stunde um Stunde gebändigt werden wollte. Die Organisation für den „Privatfahrer" Caracciola und sein Copilot Wilhelm Sebastian, ein hervorragender Techniker, übernahm Alfred Neubauer. An der 1635 Kilometer langen Strecke mussten mindestens vier Depots angelegt werden, für Reifen, Kraftstoff und eventuell benötigte Ersatzteile. Armselig geradezu im Vergleich zu den Möglichkeiten der Konkurrenten. Da half nur das volle Vertrauen auf die Qualität und Standfestigkeit des SSKL.

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Caracciola und Neubauer

Der Glaube an den Wagen und sich selbst wurde belohnt: 1931 siegte Rudolf Caracciola als erster Ausländer bei der Jagd über 1000 Meilen. Seine Erinnerungen an das Rennen schilderte Caracciola später so: „1600 Kilometer auf staubigen Landstraßen, an Schluchten und Abgründen vorbei, durch scheußliche Korkenzieherkurven und Serpentinen; durch Städte und Dörfer, und wieder schnurgerade Landstraßen mit 150, 160, 170 Kilometer Durchschnitt – eine Nacht und wieder einen Tag lang. Die Italiener hatten uns die größere Streckenkenntnis voraus. Sie starteten mit Mannschaften, die bis zu fünfzig Fahrzeuge einer Marke umfassten – so war es nicht schwer, die gesamte Strecke von Brescia über Bologna, Florenz, Siena, Rom, hinüber über den Gran Sasso an die Adriaküste nach Ancona und wieder zurück über Treviso nach Brescia mit Ersatzteillagern förmlich zu pflastern. Wir mussten sparen. Traten als Außenseiter an, deren sportliche Geste mit einer gewissen Höflichkeit geschätzt wurde, aber dass wir ernsthaft nach dem dicken Pokal schielten, glaubte kein Mensch – bis wir ihn hatten. Sechzehn Stunden lang saß ich hinter dem Lenkrad. Wir donnerten längs und quer durch Italien, tasteten uns am Strahlenbündel der Scheinwerfer durch die Nacht, fuhren hinein in das blendende Licht des Frühlingstages. Die ganze Zeit über keine Ahnung, wo wir in diesem Riesenfeld mehrerer hundert Wagen lagen. Einmal übersehe ich fast ein Tankdepot, und mein treuer Sebastian verbrennt sich am glühenden Auspuffrohr beim Kerzenwechsel die Hand – aber weiter. Klaglos hält er durch, Stunde um Stunde, in denen der Kompressor den Wagen heulend über die schnurgeraden Straßen Oberitaliens peitscht. Ich habe keine Ahnung, dass mein stärkster Rivale Nuvolari längst ausgeschieden ist, dass ich in der Dämmerung den letzten der großen Konkurrenten, Campari, überholte ohne es zu merken. Nur Staubwolken und das Dröhnen des Motors, bis ins Ziel, Brescia".

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Rekordfahrt auf der Avus 1934

Erst als das Siegerteam im Ziel auf den völlig begeisterten Alfred Neubauer traf, ahnten Caracciola und Sebastian langsam, dass sie das berühmte italienische Rennen gewonnen hatten. Als erste Ausländer, dazu noch in der Rekordzeit von 16 Stunden, 10 Minuten und 10 Sekunden und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 101,1 Stundenkilometern auf dem SSKL, der seine Schnelligkeit, Standfestigkeit und Zuverlässigkeit erneut bewiesen hatte.

Nach dem Sieg der Mille Miglia feierte Caracciola noch zahlreiche Siege und Rekorde, einige auf Alfa Romeo, die meisten auf Mercedes. So stellt er unter anderem am 10. Dezember 1934 auf der Berliner Avus einen neuen Streckenrekord auf. Auf einer Länge von fünf Kilometern erreicht er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 311,98 km/h. Das mit einer aerodynamisch günstigen Spezialkarosserie versehene Fahrzeug war ein Grand-Prix-Rennwagen vom Typ W 25, der nach der damals neuen 750-Kilogramm-Formel entwickelt wurde. Wenige Monate zuvor im Juni 1934 hatten die neuen Grand-Prix-Rennwagen auf dem Nürburgring die Ära der Silberpfeile begründet. Auch für Caracciola war 1934 eine neue Zeit angbrochen, als er erstmals nach seinem schweren Unfall Training zum GP von Monaco hat Caracciola am 20. April 1933. Der rechte Oberschenkel und die Gelenkkugel sind schwer zertrümmert. Dank zahlreicher Eingriffe während des siebenmonatigen Krankenlagers kann das Bein erhalten werden, allerdings um fünf Zentimeter verkürzt. Trotz des Handicaps und dem Tod seiner Frau fährt er am 2. April 1934 eine bejubelte Ehrenrunde in Monaco. Und am 24. Mai fühlt er erstmals wieder das Lenkrad eines Mercedes-Benz-Rennwagens in der Hand. Doch sein Bein hät den Belastungen noch nicht stand. Beim Großen Preis von Deutschland und dem Grand Prix in Frankreich fällt er aus. Doch schließlich platzte beim Klausenpass-Bergrennen der Knoten. Caracciola siegte wieder. Natürlich in Rekordzeit.

Seinen letzten großen Erfolg am 23. Juli 1939 beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring errang Rudolf Caracciola bei schlechten Wetterverhältnissen, die ihm bereits bei Regen-Vorstellungen, wie in Monte Carlo 1936, den Titel "Regenmeister" eingebracht hatten. Ein Kompliment und Ausdruck großer Hochachtung, dem sich Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer nur anschließen konnte: "Für mich war er der größte Fahrer der zwanziger und dreißiger Jahre, vielleicht sogar aller Zeiten. Er kombinierte in einem außergewöhnlichen Ausmaß Zielstrebigkeit mit Konzentration, physische Stärke mit Intelligenz. Kein anderer Fahrer war in der Lage, über Unzulänglichkeiten so zu triumphieren wie Caracciola."

Nach dem Krieg wagt Caracciola 1946 In Indianapolis einen Neubeginn, erleidet jedoch mit dem ihm zur Verfügung gestellten "Thorne Engeneering Special" einen schweren Unfall, dessen Ursache bis heute nicht geklärt ist. Im Januar 1952 bestritt er auf einer 220er Limousine die Rallye Monte-Carlo, bei der das Mercedes-Benz-Team den Mannschaftspreis gewann. Bei der Mille Miglia zeigte er mit seinem Beifahrer Paul Kurrle auf dem neuen Rennsportwagen 300 SL, dem Flügeltürer, kein Können und wurde Vierter. Mit 51 Jahren. Seine Rennfahrer-Karriere endete schließlich beim Großen Preis von Bern auf der Bremgarten-Rundstrecke, als sein 300 SL durch eine blockierende Hinterradbremse ins Schleudern geriet und an einem Baum zerschellte. Der linke Oberschenkel und die Kniescheibe waren gebrochen. Das Ende einer großartigen Rennkarriere. Rudolf Caracciola starb am 28.September 1959 im Tessin.

Michaela Schloemann

 
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