Die
Distanz ist gerade in einem GT40-Prototyp äußerst anstregend,
stöhnt Hans Hugenholtz nach der Zieldurchfahrt der Tour Auto
2000 in Biarritz. Der Holländer hat gerade zum zweiten Mal
in Folge die Veranstaltung gewonnen, die in fünf Tagen von
der Hauptstadt Paris aus quer durch Frankreich führt. Aber
die anstrengende Strecke mit ihren wechselnden Bedingungen machen
ja gerade den Reiz der Tour Auto aus, gibt Hugenholtz zu Protokoll.
Für ihn und die meisten anderen Teilnehmer war der 2000er Auflage
die beste bisher. Seit 1992 wird die ehemalige Tour de France Automobile
mit historischen Rennfahrzeugen, GT und Tourenwagen ausgetragen.
Neben der Wettbewerbsklasse mit Rennen auf verschiedenen Strecken
und Wertungsprüfungen auf Bestzeit gibt es auch eine Gleichmäßigkeitsklasse.
Porsche-Erfolg
Der Gesamtsieg ging wie schon in den Vorjahren an ein deutsches
Team. Dr. Peter Krieglsteiner (Regensburg) mit seinem Porsche 356A
Roadster wurde von Jochen Berger (Rüsselsheim) so exakt über
die 2000 Kilometer dirigiert, daß am Ende nur 220 Strafpunkte
anfielen. Das Team verfehlte die Sollzeiten um insgesamt 22 Sekunden.
Berger gewann 1974 mit Walter Röhrl die Rallye-Europameisterschaft
und fungierte später als Teammanager des Opel-Rallye-Teams.
Röhrl selbst startete lieber in der Renn-Klasse. Wie schon
1997, als der lange Regensburger in einem Porsche 356 überraschend
den Gesamtsieg holte, steuerte er ein Fahrzeug aus der Sammlung
von Friedrich-Wilhelm Dauphin, der wieder die Rolle des Co-Piloten
übernahm. Diesmal war es ein hellblaues 356B 1600 GS/GT Coupé
(1963). Wenns trocken bleibt, werden wir bestenfalls 30.,
sprach Röhrl und ließ sich in den Schalensitz gleiten.
Angesichts der Übermacht der sehr schnellen Sportwagen vom
Schlage eines GT 40 (1965), dem Porsche 910 (1966) des Amerikaners
Andrew Baker oder dem Matra Simca MS 650 (1970) von Abraham Kogan
eine verständliche Prognose.
50mal cavallino rampante
Aber auf den Wertungsprüfungen ging der zweifache Rallye-Weltmeister
an die Grenze des Machbaren. Am letzten Tag holte er auf einer Prüfung
sogar die Bestzeit und belegte am Ende den sechsten Platz.
Weder die beiden GT 40 - hinter Hugenholtz belegte David McErlain
den zweiten Platz - noch die schnellsten Ferrari konnte Röhrl
im Schach halten.
Die Bestzeit aller roten Renner erzielten Francois-Xavier und Jacques
Entrement im Gruppe 4-308 GTB Michelotti (1980, # 31135). Mit einem
solchen GT aus dem Team von Charles Pozzi siegte übrigens Jean-Claude
Andruet 1981 und 1982 beim historischen Vorbild der Tour Auto. Die
Entremonts belegten den dritten Platz in der Wertung für Fahrzeuge
ab Baujahr 1966.
Den gleichen Rang erreichte Gregor Fisken mit dem 330LMB (1963,
# 4381SA), der in zahlreichen historischen Rennveranstaltungen eingesetzt
wird. Von diesem letzten Frontmotor-Prototyp aus Maranello wurden
nur vier Exemplare gebaut.
Insgesamt standen rund 50 Ferrari am Start der Tour Auto 2000, darunter
auch der Siegerwagen von 1972, der über 400 PS starke 365 GTB/4
Daytona Competizione S2 (# 15667), damals gefahren von
Jean-Claude Andruet und seiner Beifahrerin Biche. Den
Pozzi-Ferrari fuhr Andruet übrigens auch bei den 24 Stunden
von Le Mans 1972 mit Claude Ballot-Lena, erreichte den fünften
Platz im Gesamtklassement und gewann damit die GT-Wertung. Bekannt
wurde Andruet allerdings im Jahr darauf mit seinem Gesamtsieg bei
der Rallye Monte Carlo 1973 im Renault Alpine
Bei der Tour steuerte er ja einen Ligier JS 2 (1972) und belegte
trotz sechs Bestzeiten nur den zweiten Platz in der Klasse bis Baujahr
1966. Dort traf er unter anderem nicht nur auf den Pozzi-Ferrari,
gefahren von David Franklin (GB), sondern auf insgesamt 4 Daytona
Competizione. Schnellster dieses Quartetts waren die Schweizer Arnold
und Diego Meier auf dem fünften Platz, zwei Ränge vor
Sally und Dudley Styrron Mason (GB) mit ihrem Daytona in den Farben
des britischen Teams Maranello Concessionaires (# 15681). Bill Noon
(USA) landete mit dem Ex-N.A.R.T- Daytona auf dem 11. Platz nur
knapp vor Michel Berga (F) in seinem CG 1200 S.
Der französische Stratos
Die Marke CG aus Brie Comte Robert ist über Frankreichs Grenzen
hinaus kaum bekannt. Der kleine Sportwagen mit Fiberglas-Karosserie
gilt als französischer Stratos, wenngleich er von
seinen Fahrleistungen und den Erfolgen her mit dem italienischen
Original nicht mithalten konnte. CG steht für die Initialen
der Inhaber Chappe & Gessalin, die ihre sportlichen Autos auf
Simca-Basis bauten so wie Alpine auf Grundlage von Renault-Chassis.
Doch als bestes Ergebnis erreichte ein CG einen zweiten Platz bei
der Tour de Corse 1972. Im April 1974 endete die Autoproduktion
in der Rue du Coq Gaulois von Brie Comte Robert. Bis dahin waren
insgesamt 517 CGs entstanden.
Ebenfalls ein ganz besonderes Fahrzeug war der Jaguar E-Type, den
der Engländer Michael Cowdray mit nach Frankreich brachte.
Er fuhr jenen E-Type mit Lowdrag - Karosserie und dem berühmten
Kennzeichen CUT 7, den Dick Protheroe bei seinem Erfolg
über die Ferrari GTO 1963 in Monthlery einsetzte. Cowdray und
Ludovic Lindsay belegten mit dem wertvollen Stück am Ende den
7. Platz konnten aber Ludovic Caron (F) und den Aachener Udo Rüttcher
mit den beiden schnellsten E-Types nicht gefährden. Rüttcher
erreichte hinter dem Franzosen den fünften Platz.
Italienische Dominanz
In der gleichen Klassen wie der Lowdrag-E-type starteten auch Hermann
von Wildenburg und Bernd Hahne in ihrem schwarzen Ferrari 250 GT
TdF (Chassisnr. 0971GT). Es war in diesem Jahr die einzige nach
der Veranstaltung benannte 250 GT Berlinetta in der Rennklasse.
Die Ferraris dieser Baureihe mit langem Radstand erhielten den Namen
durch die beherrschende Stellung der Berlinettas bei der Tour ab
1956. Viermal in Folge gewinnt ein Team mit einem 250 TdF, eine
Serie, die bis 1964 durch die SWB und GTO fortgeführt wird.
Den letzten GTO (5111GT), der 1964 in die Siegerliste eingetragen
wurde, besitzt heute der Amerikaner Paul Pappalardo. Er zählt
schon zu den Stamm-Startern der Tour Auto. Am zweiten Tag mutete
er seinem GTO allerdings zu viel zu. Denn statt Super-Benzin füllte
er Diesel in den Tank seines roten Schmuckstücks. Nach längerer
Unterbrechung konnte er allerdings später weiterfahren.
Ergebnisse
Rennklasse bis Baujahr 1965
- Hans Hugenholtz / Laurence Abriou de Clos (NL/F) - Ford GT 40
(1965)
- David McErlain / Andrew Meryfield (GB) - Ford GT 40 (1965)
- Gregor Fisken / Harry Leventis (GB) - Ferrari 330 LMB (1963)
- Ludovic Caron / Gérard Kerleau (F) - Jaguar E-Type (1962)
- Udo Rüttcher / Thomas Simon (D) - Jaguar E-Type (1962)
- Walter Röhrl / Friedrich-Wilhelm Dauphin (D) - Porsche
356 B 1600 GS/GT (1963)
- Michael Cowdray / Ludovic Lindsay (GB) - Jaguar E-Type Lowdrag
CUT7 (1962)
- Justin Law / Win Percy (GB) - AC Cobra 289 Mark II (1964)
- Christopher Chiles / David Mountfourd (GB) - Austin Healey 3000
- Ch. De La Haye Jousselin / Flavien Marcais (F) - Aston Martin
DB 4GT (1961)
Rennklasse ab Baujahr 1966
- Wayne Baker / Yves Junne (USA/F) - Porsche 910 (1967)
- Jean-Claude Andruet / Francois Degand (F) - Ligier JS 2 (1972)
- Francois-Xavier und Jacques Entremont (F) - Ferrari 308 GTB
Michelotto (1980)
- Max und Michael Stoschek (D) - Porsche 911 S (1971)
- Arnold und Diego Meier (CH) - Ferrari 365 GTB/4 Competizione
(1971)
- Peter und Lutz Richrath (D) - Porsche 911 Carrera RS (1973)
- Hans Peter Richrath / Peter Raumann (D) - Porsche 906 (1966)
- Dudley und Sally Styrron-Mason (GB) - Ferrari 365 GTB/4 Competizione
(1972)
- Emmanuel von Kettler / Jean-Marie Jacobs (D/B) - Porsche 914/6
GT (1970)
- André Bezuidenhout / Johan Kilian (ZA) - Porsche 911
TR (1968)
Gleichmäßigkeitsklasse Loisirs
- Dr. Peter Krieglsteiner / Jochen Berger (D) - Porsche 356 A
1600 S Speedster (1956)
- Paul Rommens / Yan Meyfroidt (B) - AC Cobra 260 (1962)
- Paul Verbeek / Raoul von Loy (B) - Ferrari 275 GTB (1965)
- Zorica Milojokovic / Katrin Werren (YU/CH) - Porsche 911 Carrera
RS (1973)
- Alexandre de Lesseps / Johaan Ulrich Brand (F/CH) - Aston Martin
4 GT
- Peter und Silvia Lindner (D) - Porsche 904 GTS (1964)
- Richard Tyzack / Walter Wright (GB) - Jaguar XK 150S (1960)
- Richard S. Wills / Ellis Robert (GB) - BMW 507 (1957)
- Robert Gregory / Gary Pace (USA) - Ferrari 250 GT Berlinetta
(1961)
- Thierry Emptas / Robert Séjouné (F) - Renault
Dauphine Gordini
Siegerliste 1951 - 1986
1951 - 1956
1951 Pagnibon / Barraquet Ferrari 212
Export
1952 Gignoux / Gignoux Panhard DB X86
1953 Peron / Bertramnier Osca (Sportwagen)
1953 Condrillier / Daniel Renault 1062 (Serienwagen)
1954 Pollet / Gauthier Gordini 263 oder 26S (??)
1956 Alphonso de Portago/Lord Nelson Ferrari 250 GT
Berlinetta
GT 1957 - 1964
1957 Olivier Gendebien / Lucien Bianchi Ferrari 250
GT Berlinetta
1958 Olivier Gendebien / Lucien Bianchi Ferrari 250
GT Berlinetta
1959 Olivier Gendebien / Lucien Bianchi Ferrari 250
GT Berlinetta
1960 Willy Mairesse / Berger Ferrari 250 GT SWB
1961 Willy Mairesse / Berger Ferrari 250 GT SWB
1962 Simon / Dupeyron Ferrari 250 GT SWB
1963 Jean Guichet / José Behra Ferrari 250
GTO
1964 Lucien Bianchi / Berger Ferrari 250 GTO
Tourenwagen
1957 Herbert / Lauga Alfa Romeo Giulietta
1958 Herbert / Bernard Consten Alfa Romeo Giulietta
1959 Da Silva / Estager Jaguar Mk II
1960 Bernard Consten / Renel Jaguar Mk II
1961 Bernard Consten / Renel Jaguar Mk II
1962 Bernard Consten / Renel Jaguar Mk II
1963 Bernard Consten / Renel Jaguar Mk II
1964 Peter Procter / Andrew Cowan Ford Mustang
Gesamtsieger 1969 - 1986
1969 Gerard Larrousse / Maurice Gelin Porsche 911R
(Sonauto)
1970 Jean-Pierre Beltoise / Patrick Depailler / Jean
Todt Matra-Simca MS 650
1971 Gerard Larrousse / Jacques Rives Matra-Simca
1972 Jean-Claude Andruet / Biche Ferrari
365 GTB/4 (Pozzi)
1973 Sandro Munari / Mario Mannucci Lancia Stratos
1974 Gerard Larrousse / Jean-Pierre Nicolas / Jacques
Rives Ligier JS 2 - Maserati V6
1975 Bernard Darniche / Alain Mahe Lancia Stratos
(Chardonnet)
1976 Henry / Grobot Porsche Carrera
1977 Bernard Darniche / Alain Mahe Lancia Stratos
(Chardonnet)
1978 Michele Mouton / Francois Conconi Fiat 131 Abarth
1979 Bernard Darniche / Alain Mahe Lancia Stratos
(Chardonnet)
1980 Bernard Darniche / Alain Mahe Lancia Stratos
(Chardonnet)
1981 Jean-Claude Andruet / Bouchetal Ferrari 308 GTB
Michelotto
1982 Jean-Claude Andruet / Biche Ferrari
308 GTB Michelotto
1983 Guy Frequelin / Fauchille Opel Manta 400
1984 Jean Ragnotti / Thimonier Renault 5 Turbo
1985 Jean Ragnotti / Thimonier Renault 5 Maxi Turbo
1986 Chatriot / Perin Renault 5 Maxi Turbo
Tour Auto
Wettbewerbsklasse
1992 Sevin / Baratta Porsche 911
1993 Koel / Hugenholtz Ferrari 365 GTB/4 Conversion
1994 Lewis / Bell Ford GT 40
1995 Boel / Rüttcher Ferrari 365 GTB/4 Conversion
1996 Gerard Larrousse / Jean-Claude Perramond Porsche
911 S
1997 David Mc Erlain / Andrew Meryfield Ford GT 40
1998 Walter Röhrl / Friedrich Wilhelm Dauphin
Porsche 356A Roadster
1999 Hans und Laurence Hugenholtz Shelby 350 GT
2000 Hans Hugenholtz / Laurence Abriou des Clos Ford
GT 40
Gleichmäßigkeitsklasse
1992 Binns / Collard Ford Cortina
1993 Urs Kohler / Jörg Maltzan Austin Healey
1994 Saguato / Saguato Lancia Stratos
1995 Entremont / Entremont Ferrari 308 GTB Michelotto
1996 Ric Weiland / Walter Mercedes-Benz 300 SL
1997 Thiriet / Meffray Triumph TR 3A
1998 Alexander Berstein / Klages Jaguar XK 120
Rüdiger
Ott / Peter Göbel Porsche 356A Coupé
1999 Pit und Silvia Lindner Porsche 904 GTS
2000 Dr. Peter Krieglsteiner / Jochen Berger Porsche
356A 1600S Roadster
Racing Paris-Biarritz
Teilnehmerfeld von Tour Auto auf 200 Starter beschränkt
Eine Tour Auto "Familial" wollen Sylviane und Patrick Peter
mit der 59. Auflage ihrer Veranstaltung erreichen, die bis 1997
Tour de France hieß. Lediglich zweihundert Teams werden im Jahr
2000 noch zugelassen, dreißig weniger als 1999. Die 59. Tour Auto
führt über die Rennstrecken Dijon, Magny-Cours, Le Vigeant, Albi
und Nogaro. Eine Sonderprüfung wird am Mont Dore gestartet.
Zugelassen werden nur Tourenwagen und GTs, die zwischen
1951 und 1973 auch schon einmal für das historische Vorbild gemeldet
waren. Wer vom 10. bis 15. April 2000 dabei sein will, muß sich
sputen. Die Einschreibefrist endet am 15. November 1999.
Im letzten Jahr gewannen in der Rennklasse die Holländer
Hans und Laurence Hugenholtz mit ihrem Shelby Mustang 350 GT. Bei
den Gleichmäßigen waren Silvia und Pit Lindner (Balingen) im Porsche
904 GTS erfolgreich.
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