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57. Westfalenfahrt - Langstreckenpokal auf dem Nürburgring mit Rallye-Meister Walter Röhrl

(c) PorscheZum Nürburgring fahre ich seit den 1960er Jahren – zuerst als Fan zum 1000 km-Rennen, schließlich als aktiver Fahrer, nun als Journalist. Die Pressemitteilung der VLN hatte mich neugierig gemacht. Vor allem die Ankündigung der Werksteams von BMW, Audi und Porsche obwohl doch der Langstreckenpokal bis dato vor allem Breitensport war. Zudem sollte mit der Hybridtechnik im Porsche GT3 R eine Technik angewendet werden, die revolutionär werden kann. Also: Saisoneröffnung 2010 auf dem Nürburgring nach seinem Ausbau am 27. März 2010.

Die Saisoneröffnung begann mit einer Rückkehr. Walter Röhrl, den ich seit Beginn seiner Karriere beobachte und mit dem ich 1997 auf einem Porsche Werks-Carrera RSR die Targa Tasmania fuhr, kehrte auf den Eifelkurs zurück - mit dem 911GT3 RS. Hinter dem Langstreckenpokal steckt eine Organisation von elf Clubs, die die verschiedenen Veranstaltungen auf dem Nürburgring organisieren. Viele dieser Veranstalter sind schon so lange dabei, dass mir die Namen aus meiner aktiven Zeit von 1969 bis 1973 sehr bekannt vorkamen, denn damals bin ich bei allen schon die so genannte 400km „Gleichmäßigkeitsprüfung“ gefahren. Als ich am frühen Morgen in das Fahrerlager kam, war ich über die Größe und Menge der Teams und ihrer Begleitungen erstaunt, auch wenn drei Werke immer für größere Ausmaße sorgen. Das Training war bereits im vollen Gang, ebenso die Suche nach der optimalen Einstellung. Diese war mal wieder nicht einfach zu finden, denn bei einem kurzen Blick auf die Strecke am Pflanzgarten war klar geworden, dass die Ideallinie teilweise trocken, aber in den Waldstücken mit den Feuchtgebieten noch nass war. Zudem waren es nur einige Grad über Null. Da war der Speed der Werksteams und der professionellen Privatteams, wie Mantey oder Phoenix, schon beeindruckend.

Als ich Walter Röhrl in der Box traf, hörte ich ihn nur stöhnen, sein Kreuz täte ihm weh. Ich lachte und scherzte: „Du willst es ja nicht anders!“ Und dann traf ich noch einen weiterer alten Bekannten: Moritz.alias Lothar Christen. Jetzt im Audi-Team aktiv, lernte ich ihn kennen, als er für mich den Service bei der Rallye Monte Carlo 1983 machte. Ein Amateur mit viel Herzblut und Sachverstand für professionellen Motorsporteinsatz. Die Atmosphäre in der Box und im Fahrerlager war toll. Ich war nah dran am Geschehen, keiner nahm sich wichtig und wenn man in die Gesichter der Teams schaute, bemerkte man vor allem die Begeisterung. Da die fitten Werksfahrer, dort die Amateursportler, die mit großem finanziellen Aufwand und viel Herzblut ihren Sport betreiben und dem Nürburgring damit seine Bedeutung geben. Sollte es diese Enthusiasten einmal nicht mehr geben, hat der Ring seine Bedeutung verloren und kann geschlossen werden.

Das Rennen ist schnell erzählt: Das Manteyteam mit Marcel Tiemann, Marc Lieb und Timo Bernhard setzen ihren flammneuen GTR3 R auf Platz 1. Gefolgt von Audi mit Ekström, Coolard auf dem R8 LMS von Abt, vor dem BMW M3 mit Farfus, Lamy und Uwe Alzen, der wieder ein Werk gefunden hat. Der Hybrid von Porsche kam ohne Problem auf den 6. Platz, was sicherlich ein toller Einstandserfolg ist. Die schnellste Runde fuhr Frank Stippler mit 8:18,301 Minuten, also einem Durschnitt von 176,055 km/h auf einem Audi R8 LMS. Walter, der nach 17 Jahren Rennabstinez den Serien-GT3 RS problemlos ins Ziel brachte, war begeistert: „Das Auto hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen und jede Menge Spass gemacht, besonders in schnellen Kurven und beim Anbremsen.“ Und wer Walter Röhrl kennt, kann sich auf seinen Einsatz beim 24 Stunden-Rennen freuen, denn dann zählt die Zuverlässigkeit noch viel mehr.

Mit dem Langstreckenpokal findet echter Motorsport am und auf dem Ring statt, der vor allem alle Fans begeistert. Hier hat sich über die Jahre eine Serie etabliert, die das komplette Spektum des Motorsports abdeckt und für Teilnehmer und Zuschauer gleichermaßen spannend ist. Die neuen Verantworlichen des Nürburinges sollten sich genau überlegen, was und vor allem wer zu einer erfolgreichen Rennstecke gehört. Die Formel 1 ist einmal im Jahr sicherlich ein Highlight, aber auch nicht mehr.

 
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