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Ehrlich gesagt hatte ich eigentlich gar keine Lust zur Essen Motorshow zu fahren. Es ist jedes Jahr das Gleiche, viele Vorankündigungen, aber letztendlich wenig Neues auf der Messe, vor allem wenig erkennbare Themen in den Hallen und an den Ständen. Dabei ist die Essen Motorshow im Wandel. Viele Jahre durch den Organisator Wolfgang Schöller geprägt und erfolgreich, versucht man heute, zu den Wurzeln zurückzukehren. Das bedeutete vor allem wieder zurück zum Motorsport, wenn auch mit neuen, digitalen Kommunikationswegen, wie EMS TV, Facebook und Co.
Die Sonderausstellung „100 Jahre Rallye Monte Carlo“ überzeugte mich letztendlich wie der Hinweis auf alte Motorsportzeiten zu einem Besuch. Als ich über die Halle 1 in die Messe kam, musste ich mich erst einmal orientieren, denn die neue Aufteilung etwas gewöhnungsbedürftig. Jahrelang hatte sich an der Aufteilung gar nichts getan. Die Themenaufteilung teilen die neuen Verantwortlichen in 4 Säulen, die wir – wenn auch anders interpretiert – mal unter die Lupe nehmen.
„Teile und Tuning“ sind seit 1970 ein wesentlicher Bestandteil dieser Messe. Man bekommt alles, was das Teileherz begehrt. Meistens inklusive Fachgespräche und Tipps. Mein erster Eindruck in der Teilehalle 6 ist, dass sie übersichtlicher und kundenfreundlicher geworden ist als in den Vorjahren. Seit diesem Jahr ist die Halle 1 die „Oldtimerhalle“, wie immer von der Siha konzipiert. Seit Jahrzehnten ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Messe, wenn auch selbstverständlich nicht vergleichbar mit der Techno Classica. Der Motorsport soll seit einigen Jahren wieder in das Zentrum der Messe rücken, allerdings war aus meiner Sicht davon nicht allzu viel zu spüren. Als ehemaliger Amateur-Rennfahrer war ich enttäuscht. Die DTM wirkte groß, pompös, aber auch arrogant auf mich. Außer ein paar Autos - wobei der neue BMW das interessanteste Auto war -, ansonsten keine Historie, Leben, keine Philosophie. Eine geklonte Serie wie viele andere auch, ausgestattet mit Industriegeldern, aber nichts fürs Motorsportherz. Hoffentlich kommt mit BMW da frischer Wind rein. Die VLN war auch present, aber das alleine macht keinen Motorsportschwerpunkt aus. Schade.
Die Ausstellung „100 Jahre Rallye Monte Carlo“ war o.k. Für den Besucher war sie schön arrangiert, aber natürlich merkt man auch hier, dass die Messeverantwortlichen vorrangig qm, Mieten und Besucherzahlen interessieren. Da stehen einige der Autos schön aufgereiht, aber wenig sagend in der Halle ohne das Flair der Rallye Monte Carlo zu transportieren. Alleine der Mini und die jüngeren Generationen von Ford, Mitsubishi und Peugeot schaffen das ein wenig. Dabei ist die „Königin der Rallyes“ vor allem eine ganz emotionale. Die Eventhalle 7 ist sicher für den Zuschauer ein Erlebnis. Es bleibt ein Rätsel, warum man all die Jahre darauf verzichten musste. Hier ist das Paradies für Autofreaks. Der Gesamteindruck der Messe ist in Ordnung. Vor allem wurde viel für eine höherwertige Optik getan, wie viel mehr Teppichboden und unterschiedliche Farben. Dazu kommt eine großzügigere Aufteilung, wahrscheinlich dem Sicherheitskonzept geschuldet. Aber wenn die Marschrichtung für die Zukunft Qualität statt Quantität ist, können wir das nur unterstützen. Auf jeden Fall muss sich die Essen Motorshow weiterentwickeln, um interessant zu bleiben. Dann wird sie im Autokalender aller Fans ihren Platz behalten.
Michael Ruess |